Das Bärensteiner Grenzsignal

Das Bärensteiner Grenzsignal

Als im August 1872 die Eisenbahnlinie zwischen Weipert und Annaberg in Betrieb genommen wurde, spielte der Standort Bärenstein zunächst nur eine untergeordnete betriebliche Rolle. Die damalige „Haltestelle mit Ladegleis“ war dem Grenzbahnhof Weipert unterstellt, der als zentraler Bahnhof für beide Orte fungierte.

Erst Mitte der 1930er Jahre änderte sich diese Situation grundlegend: Bärenstein wurde zu einem eigenständigen Bahnhof aufgewertet. Die Dienststelle erhielt einen Fahrdienstleiter sowie die entsprechenden Sicherungseinrichtungen. Fortan sicherten das Einfahrsignal A aus Richtung Weipert und das Signal F aus Richtung Königswalde den Bahnhof ab.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Schließung der Grenzstrecke kam der grenzüberschreitende Verkehr jedoch zum Erliegen. Das Einfahrsignal A fiel für insgesamt 48 Jahre auf Halt. Spätere Bemühungen um eine Wiedereröffnung der Strecke – unter anderem als mögliche Entlastung der Elbtalstrecke – blieben zunächst erfolglos. Auch die Erneuerung des Signals A in den 1960er Jahren brachte keine unmittelbare Veränderung. Das neue Signal wurde 1962 in der Signalwerkstatt Radebeul der Deutschen Reichsbahn gefertigt und als geschweißter Gittermast ausgeführt. Über viele Jahre stand der Signalmast ohne Signalflügel und Mastschilder an der Grenze und hatte damit für den Bahnbetrieb keine Funktion mehr – ein Zustand, der angesichts der geschlossenen Grenze problemlos war.

Erst 1982 wurde die Grenzstrecke wieder für Militärtransporte freigegeben. In diesem Zusammenhang erhielt das Einfahrsignal A seine vollständige Ausrüstung zurück: Signalflügel und rot-weiße Mastschilder machten es wieder als Formhauptsignal erkennbar. Zusätzlich wurde ein Ersatzsignal (ZS 1) installiert, das bei Störungen die Vorbeifahrt an einem haltzeigenden Signal erlaubte. Für die nächtliche Signalerkennung sorgte eine mittels Seilzug aufgezogene Gasflasche zur Beleuchtung. Um Zughalte auf der Grenzstrecke zu vermeiden, war das Signal zudem mit einem sogenannten „Fahrtmelder“ beim Fahrdienstleiter in Weipert gekoppelt.

Ab 1987 fanden erste Grenzkontrollfahrten statt, ehe die Strecke am 1. August 1993 offiziell wiedereröffnet wurde. Von da an wurde das Signal A wieder mehrfach täglich bedient.

Mit der Umstrukturierung des Bahnbetriebes wurde der Bahnhof Bärenstein im Jahr 1997 als eigenständige Dienststelle aufgelöst und zu einem unbesetzten Haltepunkt zurückgestuft. Sämtliche Weichen und Nebengleise wurden zurückgebaut; lediglich das durchgehende Streckengleis blieb erhalten. Auch die beiden Einfahrsignale sollten verschrottet werden. Während das Signal aus Richtung Königswalde tatsächlich dem Schrott zum Opfer fiel, konnte das Signal A buchstäblich in letzter Sekunde gerettet werden und gelangte in den Besitz eines Gartenbahnvereins.

Im Jahr 2022 erwarb der Verein Denkmalpflege-Weipert e. V. das historische Signal zurück. Nach einer aufwendigen Restaurierung konnte es schließlich im November 2025 an seinem heutigen Standort wieder aufgestellt werden. Aus betrieblichen Gründen war eine Rückkehr an den ursprünglichen Standort nicht möglich. Direkt an der Grenze hat das Signal jedoch in symbolischer Weise seine frühere Aufgabe wieder übernommen: Es steht heute sinnbildlich für die offenen Grenzen innerhalb der Europäischen Union und signalisiert „Freie Fahrt“.

Das Projekt wurde durch das Landratsamt Erzgebirgskreis / Fachstelle Ehrenamt und das Vereinsbudget 2025 der Gemeinde Bärenstein finanziell unterstützt.

Für die Restarierung standen uns folgende fachkompetente Partner zur Seite:

  • Die Strahlemänner, Großrückerswalde
  • Purkart Systemkomponenten GmbH, Großrückerswalde
  • Gerd und Heiko Felber, Bärenstein
  • Dipl.-Ing. Sven Ehmer, Grünhain-Beierfeld

Uwe Schulze
Ortschronik